Seebrücken in Hessen

Buses of Hope

Holen wir die Menschen aus den unwürdigen Lagern endlich her!

Jeder Mensch hat das Recht auf ein würdevolles Leben. Auf ein Leben in Sicherheit und körperliche Unversehrtheit. Dazu gehört auch das Recht auf Flucht und Migration. Auf sichere Wege zu einem sicheren Ort.

Warum gilt dies nicht für Parwana, Leila oder Steven? Warum nicht für all die anderen Menschen, die nach ihrer Ankunft an den europäischen Außengrenzen unter katastrophalen Bedingungen festgehalten werden?

Wir haben in dieser Ausstellung vielfältige Geschichten zusammengetragen. Wir wollen betroffenen Menschen damit ein Gesicht geben. Sie alle sind Gefl üchtete und MigrantInnen, die unter inhumanen Bedingungen in Lagern und Gefängnissen auf den griechischen Inseln, auf Malta oder in Sizilien interniert sind oder die eine schwere Fluchtgeschichte hinter sich haben.

Sie müssen selbst in Zeiten von Corona immer noch in qualvoller Enge ausharren, ohne Zugang zu medizinischer Versorgung und ohne ausreichende Grundversorgung. Es sind Kinder, oft krank und traumatisiert, Jugendliche, oft unbegleitet, Frauen und Männer, Familien. Menschen wie wir oder Du.

Diese Menschen könnten hier sein. Sie könnten in Sicherheit leben. Dafür setzen wir uns ein. Hier in unseren Städten in Hessen, in Deutschland, in unseren europäischen Nachbarstaaten. Wir brauchen großzügige Aufnahmeprogramme und viele Städte sind dazu bereit. Die hessische Landesregierung hat ein Landesaufnahmeprogramm in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Die sofortige Umsetzung dieses Programms wäre ein erster kleiner Schritt.

Die Busse könnten morgen losfahren, um die Menschen aus den menschenunwürdigen Transit-Lagern abzuholen. Busse der Hoffnung, die wir in unseren Städten begrüßen wollen.

Buses of Hope Ausstellung in Marburg

Samstag, 19.9., 11–19 Uhr

  1. Station: ab 11 Uhr am Hauptbahnhof
  2. Station: ab 12:30 Uhr am Südmarkt in der Frankfurter-Straße
  3. Station mit Kundgebung: 14:30 Uhr am Erwin-Piscator-Haus
  4. Station: ab 17 Uhr auf dem Platz der Elisabethkirche

Die Ausstellung Buses of Hope kann voraussichtlich ab Ende Juli 2020 mit ca. 10 Tafeln für öffentliche Aktionen
und Veranstaltungen eingesetzt werden. Kontakt und weitere Informationen hier: infobusesofhope.org

Pressemitteilung: Die aus Seenot Geretteten in Hessen aufnehmen! – Offener Brief an die Hessische Landesregierung

Marburg, 16.06.2019: Hessische Seebrücken fordern die sofortige Aufnahme der aus Seenot Geretteten in Hessen sowie die sofortige Aufnahme der Geretteten, die sich aktuell auf dem Rettungsschiff „Sea Watch 3“ befinden.

Am Mittwoch, den 19.6.2019 wird auf Antrag der Linken im Hessischen Landtag über die Aufnahme der aus Seenot Geretteten in Hessen debattiert. Wir als Seebrücken in Hessen unterstützen diese Forderung. Im Rahmen eines Gesamttreffens aller Seebrücken in Hessen am 16.06.2019 wurde ein offener Brief an die Hessische Landesregierung verfasst: „Die Aufnahmekapazitäten in unseren Städten sind vorhanden, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ebenso. Handeln Sie jetzt! Zeigen Sie jetzt, dass Menschenrechte Ihnen nicht egal sind. Setzen Sie sich dafür ein, dass das massenhafte Sterben auf dem Mittelmeer endlich ein Ende hat.“

WER VON EUROPA SPRICHT, DARF ZUM STERBEN AN DEN EU AUSSENGRENZEN NICHT SCHWEIGEN!

Die Außengrenzen der Europäischen Union sind ein Massengrab. Zehntausende Menschen sind beim Versuch, in Europa Schutz vor Verfolgung, Krieg und Elend zu finden, ums Leben gekommen. Das Sterben im Mittelmeer ist kein unvermeidliches Unglück, sondern das Resultat einer gezielten Politik der Abschreckung und des Sterbenlassens. Diese Politik wurde und wird von Parteien gemacht, die jetzt, anlässlich der Wahlen zum EU-Parlament, wieder um unsere Stimmen werben. 

Wir werden nicht akzeptieren, wenn Politiker*innen in diesem Wahlkampf über Europa sprechen, aber zu dem von ihren Parteien mitverantworteten Sterben an den EU-Außengrenzen schweigen. 
Die Europäische Union feiert sich gern für ihren Einsatz für Frieden und Menschenrechte. Wir finden jedoch, dass es nichts zu feiern gibt angesichts der Toten im Mittelmeer und angesichts der Mitverantwortung der EU für die weltweiten Fluchtursachen: Mitverantwortung durch Rüstungsexporte, durch eine Handelspolitik, die das Elend in vielen Ländern des Südens verschlimmert und durch die Tatenlosigkeit beim Klimaschutz. Der Friedensnobelpreis, den die EU2012 erhalten hat, ist eine Farce und hätte längst schamvoll zurückgegeben werden müssen. 

Es ist richtig und wichtig, dem europaweiten Rechtsruck entschlossen entgegen zu treten. Gleichzeitig wissen wir: Sowohl auf EU-Ebene als auch in Deutschland wurden die Abschottungspolitik und die immer drastischeren Asylrechtsverschärfungen in den vergangenen Jahrzehnten nicht von rechtsradikalen Parteien beschlossen, sondern von den Parteien der sogenannten Mitte. 

Daher ist uns klar: Das Sterben im Mittelmeer und die tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen durch das EU-Grenzregime werden nicht aufhören, wenn unser einziges Ziel die Wahl irgendeiner nicht ausdrücklich rechten Partei wäre. Denn nicht das Erstarken faschistischer und rechter Parteien in vielen Ländern Europas ist dafür verantwortlich, dass aus Europa eine Festung geworden ist, vor deren Mauern die Menschen ertrinken. Es ist genau umgekehrt: Jahrzehnte der Abschottungspolitik und Jahrzehnte einer unsozialen, neoliberalen Politik zu Lasten der Mehrheit haben erst den Boden bereitet, auf dem jetzt die Hetze von Orban und Salvini, von Le Pen und Gauland gedeiht. 

Von den Parteien, die in diesem EU Wahlkampf um unsere Stimme werben, fordern wir einen grundlegenden Politikwechsel ein.

Das bedeutet konkret: 

  • Wiedereinsetzung einer EU-Seenotrettungsmission, die wirklich rettet 
  • Unterstützung statt Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung 
  • Wirkungsvolle Maßnahmen gegen alle, die illegale Pushbacksdurchführen, anordnen oder unterstützen 
  • Keine Kollaboration mit und Finanzierung von libyschen Milizen unter dem Deckmantel einer angeblichen libyschen Küstenwache 
  • Nein zur tödlichen Vorverlagerung der EU-Außengrenzen und des EU-Grenzregimes in die Wüste durch Deals mit Diktaturen und korrupten Regimen 
  • Sofortige Beendigung der Abschiebungen
  • Auflösung der Lager in Griechenland
  • Evakuierung der Geflüchteten aus Libyen
  • Sichere und legale Fluchtwege statt Abschottung und militärische Aufrüstung der Grenzen 

Wir bauen eine Brücke zu sicheren Häfen.

Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um die Abschottung Europas weiter voranzubringen und politische Machtkämpfe auszutragen, ist unerträglich und spricht gegen jegliche Humanität. Migration ist und war schon immer Teil unserer Gesellschaft! Statt dass die Grenzen dicht gemacht werden, brauchen wir ein offenes Europa, solidarische Städte und sichere Häfen.

Die SEEBRÜCKE ist eine internationale Bewegung, getragen von verschiedenen Bündnissen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen auf der Flucht und erwarten von der deutschen und europäischen Politik sofort sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind – kurz: Weg von Abschiebung und Abschottung und hin zu Bewegungsfreiheit für alle Menschen.